Samstag, 12. Oktober 2013

Ich lebe noch,



 oder so.
Ich hätte viel zu Berichten gehabt, aber es ging nicht.
Notebook aufklappen, Windows booten, Word starten.
Weiter kam ich nie. Ab dann war da nur noch eine endlose Leere in mir.
Mir wurde durch das JobCenter mal wieder klar gemacht, dass ich weniger wert bin als der Dreck unter einer Schuhsohle.
Im August habe ich meinen Antrag auf Verlängerung vom ALGII abgegeben.
Anfang September war kein Geld auf meinem Konto. Ich las was von einer bundesweiten Softwarepanne bei den JobCentern und das viele deswegen kein Geld bekommen haben.
Also habe ich gewartet.
Es kam nichts. 
Den ganzen Monat nicht. 
Ich hatte schon panische Angst, dass ich von meiner Krankenkasse Bescheid bekomme, dass ich nicht mehr Versichert bin. Da kam aber nichts. Meine Beiträge zur Krankenkasse wurden also bezahlt.
 Ich bekomme eine halbe Unfallrente. Nach Abzug aller Kosten hatte ich einen Euro pro Tag, für den ganzen Monat.
Einen Euro.
Nicht ganz. 
Den letzten 10 Euroschein habe ich am 17. September ins Auto getankt. Sonst hätte ich nicht zur Psychotherapie gekonnt. Das war mir wichtiger als Essen und Trinken. Einmal hin und zurück sind 76 Kilometer.
Ein paar Tage später gaben dann auch noch meine Schuhe komplett den Geist auf. Die Sohle vom linken Schuh brach durch. 
Nudeln kann ich nicht mehr sehen. 
Flockenpüree auch nicht. 
Reis schon lange nicht mehr. 
Mittlerweile bekomme ich von Leitungswasser Sodbrennen.
Ende September bekam ich dann zwei Briefe. Einer war ein Bescheid über die Verlängerung vom ALGII. In dem Bescheid fehlt der September, er gilt erst ab Oktober. Die haben einen Monat einfach so unterschlagen. Ohne irgendeine Begründung. 
Das war der erste Tritt ins Gesicht. 
Der zweite Brief war ein Sanktionsbescheid. Von Oktober bis Ende Dezember wird mein Regelsatz um 10% gekürzt, weil ich einen Termin nicht wahrgenommen habe. Ich bin seit Monaten durchgehend Krankgeschrieben. 
Das JobCenter wollte eine "Wegeunfähigkeitsbescheinigung" 
Das war der zweite und dritte Tritt ins Gesicht.
Mein Arzt wollte mir diese "Fantasiebescheinigung" nicht ausstellen.
Ich habe zweimal Widerspruch eingelegt beim JobCenter. 
Hat die nicht interessiert.
Das war der vierte Tritt ins Gesicht, gefolgt von einem Tritt in den Rücken als ich am Boden lag.
Jetzt liegen beide Sachen beim Sozialgericht und mir geht es Scheiße, weil ich mich darum Kümmern muss und dafür meine komplette Kraft drauf geht. Kraft, die ich für ganz andere Dinge brauche.
Mittlerweile nehme ich die Antidepressiva vor denen ich so einen Schiss hatte.
Die Angst davor, dass ich vielleicht Mist baue, wurde größer als die Angst vor den Pillen.
Nein, liebes JobCenter. Den Gefallen werde ich euch nicht tun.
Soweit bringt ihr mich nicht. 
Noch nicht.

Mittwoch, 18. September 2013

Genial



Wenn du das hier liest, hast du dein ganzes Leben bis jetzt überlebt.
Du hast zig Traumata, Herzschmerz, innerliche Verwüstungen und
die verschiedenen Phasen des Lebens überlebt.
Und jetzt bist du hier.
Weiter geht's du Arsch.
Du bist genial.

Dienstag, 3. September 2013

Heute ist auch Seltsam



Der heutige Tag ist auch seltsam.
Seit ich aufgestanden bin, ist mir leicht Schwindelig.
Die Missempfindungen von gestern sind fast verschwunden.
Heute Mittag, unterwegs mit den Hunden, stand ich die ganze Zeit einen halben Meter neben mir.
Ich konnte mir beim Spielen mit den Hunden selbst Zuschauen. Gehen kam mir vor wie in Zeitlupe, obwohl ich nicht länger als sonst für die Runde brauchte. Außerdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, jeden Moment umzukippen. In meinem Kopf war eine Stimme." Mach die Augen zu, lass dich fallen und alles wird gut." Ich habs nicht gemacht, aber es war verführerisch.
Komischerweise war das alles nicht bedrohlich, sondern irgendwie angenehm.
Ich bin gespannt wie das heute noch weitergeht.

Gestern war nicht mein Tag



Gestern ging es mir den ganzen Tag merkwürdig.
Mein ganzer Körper fühlte sich nicht richtig an.
Alles kribbelte, sogar unter der Kopfhaut.
Mein Kopf fühlte sich an, als ob er mit Watte gefüllt wäre.
Wenn ich eine Tasse angefasst habe, war die Empfindung dabei nicht richtig.
Irgendwie konnte ich nichts auseinanderhalten.
Der Fernseher lief, ich las etwas auf dem Handy und meine Frau sprach mit mir.
Der Fernseher kam mir viel zu laut vor, meine Frau auch. Ich hatte wahnsinnige Probleme das Display vom Handy scharf zu sehen.
Es war ein Durcheinander wie auf einem Bahnhof, wenn ein Zug einfährt und dazu auch noch Zeitgleich mehrere Durchsagen kommen.
Das was aus dem Fernseher kam hatte einen Nachhall, die Stimme meiner Frau auch. 
Ich konnte beides nicht trennen, musste mich tierisch Konzentrieren, um überhaupt richtig mitzubekommen was sie von mir will. 
Dafür kamen mir meine eigenen Antworten vor, als ob sie jemand sagt der neben mir sitzt.
Wenn ich den Kopf gedreht habe, hat es eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis ich wieder scharf Sehen konnte. 
Abartig.
Das steigerte sich weiter, bis ich den Rest des Tages permanent das Gefühl hatte, unter Strom zu stehen. 
Die innere Unruhe wurde immer größer. Ich wollte mich ständig Bewegen. 
Wenn ich es dann tat, wurde mir Schwindelig. 
Ich habe es bis zur letzten Runde mit den Hunden nicht geschafft, mich selbst zu Beruhigen. 
Drei Flaschen Bier holten mich dann soweit runter, dass es mir innerlich wieder einigermaßen ging. Das körperliche Falschempfinden blieb aber, bis ich ins Bett ging.

Sonntag, 1. September 2013

Meine Zeit



Abends, wenn die Sonne verschwindet, fängt irgendwie meine Zeit an.
Die Menschen gehen nach Hause, die Welt gehört mir. 
Keiner der mich nervt, keiner der was von mir will. Nur ich und die Nacht. 
Ich mag die besondere Stimmung die in der Luft liegt.   
Es ist die Zeit in der ich am liebsten Fotografiere.