Dann habe ich meinen ersten Termin bei meiner neuen Therapeutin.
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich den Termin absagen soll.
"Lass den Quatsch bleiben. Der Frau bist du egal. Die interessiert sich eh nicht für dich, oder deine Geschichte. Der gehts nur um die Kohle. Nach den ersten 5 Terminen lässt die dich wie eine heiße Kartoffel fallen."
Mein Bauchgefühl hat sich schon oft durchgesetzt. Ich habe deswegen schon zig wichtige Termine abgesagt, oder gar nicht erst gemacht.
Ich will das jetzt.
Ich will die Therapie machen.
Wenn die Frau mich auch abserviert, weiß ich ja was passiert.
Ich werde steil in die Depression abstürzen.
Wie lange diesmal? Keine Ahnung.
Ich hasse diese beschissenen 5 Vorabtermine.
5 Stunden die sich wahrscheinlich wieder über Monate hinziehen.
Die beknackte Fragerei, die beschissenen Fragebogen.
Wenn die Frau mich auch fallen lässt, was mache ich dann?
Es gibt hier im Umkreis von 100 Kilometern genau drei von der BG zugelassene Therapeuten.
Ich könnte eine stationäre Therapie machen.
Die Klinik ist von hier eine halbe Stunde entfernt.
Da war ich schon mal vor 20 Jahren für 3 Monate, obwohl ich mindestens 6 Monate bleiben sollte.
Ich hasse Kliniken.
Wenn ich alleine leben würde, ja dann wäre das eine Überlegung wert.
So geht das aber nicht.
Was wäre die Alternative?
Arbeiten bis ich zusammenklappe und dann in die Klinik.
Kann ja diesmal nicht so lange dauern.
Mein vorletzter Arbeitgeber wusste wie es mir geht. Das hat er ausgenutzt. Zwei Jahre lang. Er hat sich 50% meines Lohnes von der BG erstatten lassen. Die BG hat auch ein Firmenauto, Notebook, Spezialwerkzeug für mich bezahlt, weil ich das ja brauchte. Benutzen durfte ich die Sachen nie. Die hat sich mein Chef unter den Nagel gerissen. Dafür hat er meine Arbeitszeit mal eben von 35 auf 40 Stunden verlängert, natürlich ohne die Extrastunden jemals zu bezahlen.
Das ging, bis ich Nachts nur noch Schlafen konnte, wenn ich total besoffen war.
Die erste Amtshandlung morgens war Kotzen, wegen dem Alkohol und weil sich alles in mir gegen die Arbeit gesträubt hat.
Hätte ich damals meine Frau nicht kennengelernt, wäre es wahrscheinlich noch ein paar Monate gutgegangen bis...... Ich habe mich zu der Zeit fast nur noch von Döner ernährt, weil ich nichts mehr auf die Reihe bekommen habe. Das war kein Leben mehr. Das war nur noch funktionieren. Arbeiten, Döner, ausgebrannt und leer auf dem Sofa sitzen, heulen, Stunden zählen bis ich wieder Arbeiten muss, saufen, schlafen. Ich habe mich nie gegen meinen Chef gewehrt, weil ich es nicht konnte. Dazu noch der Hausdrachen von Nebenan der mich permanent gemobbt hat. Die Wochenenden habe ich meistens durchgepennt.
Ich war absolut Hilflos und wollte eigentlich nur noch nicht mehr da sein.
Meine Frau hat mich damals regelrecht angeschrien, dass ich Kündigen soll, weil ich sonst Zusammenbreche. Das habe ich dann, als mein Chef ankam und mir verkündete:" Ich habe einen neuen Großkunden an der Angel. Da können sie dann an den Wochenenden und Nachts arbeiten."
Zu der Zeit ging irgendwas in mir endgültig kaputt.
So habe ich endgültig gelernt, dass ich als Behinderter nichts wert bin.
Es kam allen meinen Arbeitgebern immer nur darauf an, Zuschüsse für mich zu kassieren. Wenn die Zuschüsse ausliefen, durfte ich kurz danach gehen.
Das alles will ich nicht mehr. Ich will leben. Ich habe so unglaublich viele Jahre, fast mein halbes Leben lang, nicht gelebt.
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Sonntag, 11. August 2013
Donnerstag, 8. August 2013
Du bist behindert?
Ist meistens die Reaktion von Leuten, mit denen ich öfters manchmal Kontakt habe und die mich dann irgendwann darauf ansprechen, wieso ich mich die Treppe so hochquäle, warum ich manchmal so wackelig laufe, warum ich nie mitkomme, wenn sie mal ins Cafe oder so gehen, oder warum ich manchmal Ewigkeiten nicht erreichbar bin und nicht auf Mails oder Anrufe reagiere.
Ich könnte jetzt groß und lang erklären:
"Ich hatte mal einen Unfall. Die Ärzte haben Mist gebaut. Ich wurde zig mal operiert. Ich habe eine Narbe vom Fuß- bis zum Kniegelenk. (Warum ich die habe, weiß ich nicht.) Eine Narbe vom Knie- bis zum Hüftgelenk. Diese Narbe wurde ungefähr 20 mal auf- und wieder zugemacht. Deshalb habe ich auf der Außenseite des Oberschenkels keine Muskulatur mehr. Irgendwann haben sie bei einer Operation auch noch die Wachstumsfuge beschädigt. Darum ist das Bein kürzer als das andere und ich habe an dem Bein Schuhgröße 39 und an dem anderen 43. Ich habe auch noch eine Narbe quer über die rechteArsch Pobacke.
In meinem rechten Oberschenkel steckt ein Nagel, der seit 25 Jahren mein Bein zusammenhält.
Außerdem haben die Ärzte es auch noch hinbekommen, mein Bein zwischendurch falsch einzugipsen. Deswegen habe ich eine Fehlstellung im Knie. Deshalb habe ich Arthrose im Knie. Starke Arthrose.
Stellt euch vor: die haben es auch noch hinbekommen mich in der Zeit mehrfach zu Traumatisieren. Das hat aber keiner erkannt, oder erkennen wollen und im Laufe der Zeit wurde das Mangels Behandlung chronisch und nennt sich komplexes PTBS. Deswegen gehe ich nicht weg. Deswegen bin ich nicht erreichbar. Deswegen reagiere ich nicht.
Nein, keine Angst, ich bin nicht so der Jack Nicholson Shining Psycho, der die Axt in die Tür haut und "HERE'S JONNY!!!!" brüllt. Ich bin eher der "Mit dem alten, rostigen Abschleppwagen durch den Wald fahrende, der wie blöde kichert und campende Teeniesabmurkst erschreckt.
(Das war jetzt ein Witz. Sowas würde ich nie sagen.)"
Da das aber zu lange dauern würde und das alles eh keinen interessiert, sage ich normalerweise:
"Ich hatte mal einen Unfall. Die Ärzte haben Mist gebaut. Durch viele Operationen habe ich keine Muskeln mehr auf der Außenseite des Oberschenkels. Fast wie bei Dr. House. Außerdem habe ich starke Arthrose im Knie. Fehlende Muskeln und Arthrose machen Laufen und Treppensteigen ziemlich anstrengend. Wenn ich mich nicht auf jeden Schritt mit dem kaputten Bein konzentriere, dann sieht mein Gangbild ziemlich wackelig aus durch die Außgleichsbewegungen, die ich dann unbewusst mache.
Weggehen ist nichts für mich. Ist mir einfach zuviel."
Das reicht den Leuten.
Ich könnte jetzt groß und lang erklären:
"Ich hatte mal einen Unfall. Die Ärzte haben Mist gebaut. Ich wurde zig mal operiert. Ich habe eine Narbe vom Fuß- bis zum Kniegelenk. (Warum ich die habe, weiß ich nicht.) Eine Narbe vom Knie- bis zum Hüftgelenk. Diese Narbe wurde ungefähr 20 mal auf- und wieder zugemacht. Deshalb habe ich auf der Außenseite des Oberschenkels keine Muskulatur mehr. Irgendwann haben sie bei einer Operation auch noch die Wachstumsfuge beschädigt. Darum ist das Bein kürzer als das andere und ich habe an dem Bein Schuhgröße 39 und an dem anderen 43. Ich habe auch noch eine Narbe quer über die rechte
In meinem rechten Oberschenkel steckt ein Nagel, der seit 25 Jahren mein Bein zusammenhält.
Außerdem haben die Ärzte es auch noch hinbekommen, mein Bein zwischendurch falsch einzugipsen. Deswegen habe ich eine Fehlstellung im Knie. Deshalb habe ich Arthrose im Knie. Starke Arthrose.
Stellt euch vor: die haben es auch noch hinbekommen mich in der Zeit mehrfach zu Traumatisieren. Das hat aber keiner erkannt, oder erkennen wollen und im Laufe der Zeit wurde das Mangels Behandlung chronisch und nennt sich komplexes PTBS. Deswegen gehe ich nicht weg. Deswegen bin ich nicht erreichbar. Deswegen reagiere ich nicht.
Nein, keine Angst, ich bin nicht so der Jack Nicholson Shining Psycho, der die Axt in die Tür haut und "HERE'S JONNY!!!!" brüllt. Ich bin eher der "Mit dem alten, rostigen Abschleppwagen durch den Wald fahrende, der wie blöde kichert und campende Teenies
(Das war jetzt ein Witz. Sowas würde ich nie sagen.)"
Da das aber zu lange dauern würde und das alles eh keinen interessiert, sage ich normalerweise:
"Ich hatte mal einen Unfall. Die Ärzte haben Mist gebaut. Durch viele Operationen habe ich keine Muskeln mehr auf der Außenseite des Oberschenkels. Fast wie bei Dr. House. Außerdem habe ich starke Arthrose im Knie. Fehlende Muskeln und Arthrose machen Laufen und Treppensteigen ziemlich anstrengend. Wenn ich mich nicht auf jeden Schritt mit dem kaputten Bein konzentriere, dann sieht mein Gangbild ziemlich wackelig aus durch die Außgleichsbewegungen, die ich dann unbewusst mache.
Weggehen ist nichts für mich. Ist mir einfach zuviel."
Das reicht den Leuten.
Montag, 22. Juli 2013
Verarscht
Der folgende Text kann Triggern.
Ich hatte seit vielen Jahren endlich mal wieder das Gefühl, dass ich jemanden vielleicht Vertrauen könnte.
Fürn Arsch!!!
Was ist passiert?
Ich habe endlich eingesehen, dass ich Hilfe brauche. Das ich nicht mehr funktioniere. Nicht mehr funktionieren will. Das es so, wie es ist, nicht mehr lange weitergeht.
Das der ganze Dreck, den ich erlebt habe und der mich jeden Tag, jede Nacht verfolgt, endlich mal endgültig Ausgesprochen und verarbeitet werden muss.
Ich habe mit meiner BG gesprochen und gesagt, dass ich eine Psychotherapie brauche.
"Kein Problem, es gibt in ihrer Reichweite zwei Therapeutinnen zur Auswahl."
Ich habe mich also für eine entschieden und einen Termin mit ihr gemacht.
Nach der ersten Stunde sagte sie mir, dass sie sich vorstellen kann, mich zu behandeln.
Ich habe mich so gefreut.
Nach den ersten fünf Terminen, die teilweise echt heftig für mich waren, sagte sie zu mir, dass sie jetzt für drei Wochen Urlaub mache und ich mich melden solle, sobald ich das OK von meiner BG für die Therapie habe.
Sie schrieb mir sogar noch eine Email, dass ich mich melden soll wenn das OK da ist, damit wir Termine machen können.
Das war Ende Mai.
Heute habe ich mal telefonisch bei meiner BG nachgefragt, ob es mit meiner Therapie noch was wird, oder nicht.
Das Gespräch hat mir den Boden unter den Füßen komplett weggezogen.
Die Therapeutin hat sich kurz nach der Email an mich, bei der BG gemeldet und mitgeteilt, dass sie mit mir keine Therapie durchführen wird, da ich kein Akutfall bin und ihre Therapieplätze nur für Akutfälle seien.
Nein, ich bin kein Akutfall!! Ich schleppe den Scheiß jetzt seit fast 30 Jahren mit mir rum!!!
Das ändert aber nichts daran, dass mich bestimmte Situationen triggern und ich dann wieder live in der Vergangenheit bin. Das mich die Depressionen tierisch runterziehen und die depressiven Phasen immer länger dauern.
Das wusste die Therapeutin aber schon seit dem ersten Termin.
Was hat sie von mir erwartet: dass ich da sitze und rumheule? Das ich vor ihr zusammenklappe? Das ich Panikanfälle bekomme? WAS HAT SIE ERWARTET???
Seit meinem Unfall damals und den 6 Jahren danach, in denen ich durch die Hölle gegangen bin, hat es kein Schwein interessiert, wie es mir geht.
Ich bin bin fast draufgegangen in der Zeit. Ich habe mehr Zeit im Krankenhaus verbracht, als Zuhause.
Ich habe zigmal im OP gelegen und fast ein Bein verloren.
Immer wenn ich jemanden gebraucht hätte, war da keiner.
Ich habe gelernt, dass ich niemandem Vertrauen kann. Das der Einzige auf den ich mich Verlassen kann, ich bin. Das es keine Sau interessiert, wie es mir geht.
Was hat sie erwartet?????
Ich bin so enttäuscht, so leer so....
Ich fühle mich wieder wie ein wertloses Stück Scheiße.
Ich bin soenttäuscht.
Ich binso.
Ichbin.
Ich.
Ich hatte seit vielen Jahren endlich mal wieder das Gefühl, dass ich jemanden vielleicht Vertrauen könnte.
Fürn Arsch!!!
Was ist passiert?
Ich habe endlich eingesehen, dass ich Hilfe brauche. Das ich nicht mehr funktioniere. Nicht mehr funktionieren will. Das es so, wie es ist, nicht mehr lange weitergeht.
Das der ganze Dreck, den ich erlebt habe und der mich jeden Tag, jede Nacht verfolgt, endlich mal endgültig Ausgesprochen und verarbeitet werden muss.
Ich habe mit meiner BG gesprochen und gesagt, dass ich eine Psychotherapie brauche.
"Kein Problem, es gibt in ihrer Reichweite zwei Therapeutinnen zur Auswahl."
Ich habe mich also für eine entschieden und einen Termin mit ihr gemacht.
Nach der ersten Stunde sagte sie mir, dass sie sich vorstellen kann, mich zu behandeln.
Ich habe mich so gefreut.
Nach den ersten fünf Terminen, die teilweise echt heftig für mich waren, sagte sie zu mir, dass sie jetzt für drei Wochen Urlaub mache und ich mich melden solle, sobald ich das OK von meiner BG für die Therapie habe.
Sie schrieb mir sogar noch eine Email, dass ich mich melden soll wenn das OK da ist, damit wir Termine machen können.
Das war Ende Mai.
Heute habe ich mal telefonisch bei meiner BG nachgefragt, ob es mit meiner Therapie noch was wird, oder nicht.
Das Gespräch hat mir den Boden unter den Füßen komplett weggezogen.
Die Therapeutin hat sich kurz nach der Email an mich, bei der BG gemeldet und mitgeteilt, dass sie mit mir keine Therapie durchführen wird, da ich kein Akutfall bin und ihre Therapieplätze nur für Akutfälle seien.
Nein, ich bin kein Akutfall!! Ich schleppe den Scheiß jetzt seit fast 30 Jahren mit mir rum!!!
Das ändert aber nichts daran, dass mich bestimmte Situationen triggern und ich dann wieder live in der Vergangenheit bin. Das mich die Depressionen tierisch runterziehen und die depressiven Phasen immer länger dauern.
Das wusste die Therapeutin aber schon seit dem ersten Termin.
Was hat sie von mir erwartet: dass ich da sitze und rumheule? Das ich vor ihr zusammenklappe? Das ich Panikanfälle bekomme? WAS HAT SIE ERWARTET???
Seit meinem Unfall damals und den 6 Jahren danach, in denen ich durch die Hölle gegangen bin, hat es kein Schwein interessiert, wie es mir geht.
Ich bin bin fast draufgegangen in der Zeit. Ich habe mehr Zeit im Krankenhaus verbracht, als Zuhause.
Ich habe zigmal im OP gelegen und fast ein Bein verloren.
Immer wenn ich jemanden gebraucht hätte, war da keiner.
Ich habe gelernt, dass ich niemandem Vertrauen kann. Das der Einzige auf den ich mich Verlassen kann, ich bin. Das es keine Sau interessiert, wie es mir geht.
Was hat sie erwartet?????
Ich bin so enttäuscht, so leer so....
Ich fühle mich wieder wie ein wertloses Stück Scheiße.
Ich bin so
Ich bin
Ich
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