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Freitag, 27. Dezember 2013

Weihnachten überlebt



Und es war dieses Jahr nicht so schlimm, wie die Jahre davor.
Wird wohl an den Antidepressiva liegen, die ich die Jahre davor nicht hatte.
Weihnachten, das bedeutet für mich Krankenhausaufenthalte, Operationen, Schmerzen, allein sein in einem Krankenhaus, 120 Kilometer weit weg von Zuhause.

Wenn es mal nicht so war, dann war ich immer mitten drin im alljährlichen
Familienkrach an Heilig Abend.
Ich habe damals schon versucht, mich Weihnachten zu verkriechen.

Ich habe Heilig Abend schon im Keller eines Rohbaus verbracht, nur um dem Familienstreit zu entgehen.

Ich habe Heilig Abend auch schon zusammen mit einem Kumpel, der vor seinem gewalttätigen Vater auf der Flucht war, vor dem Dorfgemeinschaftshaus, im Wald, auf einer Bank gesessen und Southern Comfort direkt aus der Flasche getrunken.
Es war Arschkalt und es lag jede Menge Schnee, aber es war besser als Zuhause. 
Meine Güte, das ist jetzt 23 Jahre her.

Ich feiere Weihnachten seit 14 Jahren nicht mehr mit meiner Familie.
Vor 14 Jahren habe ich den Kontakt abgebrochen.
Weihnachten ist für mich das Fest der Schmerzen,der Einsamkeit und des Streits.
So wie es Aussieht, wird sich das auch nicht mehr ändern, da der ganze alte Mist jedes Jahr aufs Neue hochkommt, wie ein Essen das man nicht vertragen hat.

Dienstag, 20. August 2013

Der zweite Termin war echt...... Scheiße

Kann triggern.

Heute war der zweite Termin bei meiner neuen Therapeutin.
Habe ihr gesagt, dass ich die Tabletten nicht genommen habe, weil ich Schiss davor habe.
Sie fragte mich, wovor ich Angst hätte.
Ich sagte ihr, dass ich Angst vor Kontrollverlust habe.
Sie fragte mich, ob ich denn Glaube, dass sie mir etwas gibt das zu Kontrollverlust führt.
Ich sagte nein. Diskussion wollte ich nicht.
Ich kam mir auch so schon vor wie ein Kind das
sich vor seiner Mutter rechtfertigen muss.

Dann sagte sie noch, dass ich ihr leicht Depressiv vorgekommen sei beim ersten Termin und ich ihr ja auch
von meinen Essproblemen erzählt habe.
Das Medikament solle ja auch meinen Hunger anregen.
Ich sagte, dass Hunger nicht das Problem sei, sondern Essen.
Sie fragte, wieso mir Essen schwerfällt.
Das hatte ich ihr schon beim ersten Termin gesagt, aber ok.
Ich habe ihr gesagt, dass es mich an ekelt, mich nervt und ich es deswegen soweit wie möglich rauszögere.

Wie ich sonst so Zuhause sei, fragte sie.
Ich sagte, dass ich meine Ruhe haben will, kein Telefon, kein Handy, keinen Kontakt, keiner der mich nervt und stört. Einfach Ruhe!!
"Essen stört ihre Ruhe," sagte sie."Deswegen haben sie so Probleme damit."
OK!! Ich bin also ein faules Schwein das am liebsten doof Zuhause rumhockt und keinen Bock hat, sich was zu Essen zu machen.
Zumindest ist es bei mir so angekommen.
War für mich wie ein Schlag und hat getriggert.
Das ich das Problem mit dem Essen erst seit diesem Jahr habe, hat sie zur Kenntnis genommen.

Dann kam noch die Anamnese. Ich hasse das.
Beim Erzählen läuft passend zu dem Erzählten immer der gleiche Film ab.
Habe ich ihr gesagt.
Ob es mir leichter fallen würde, es aufzuschreiben und ihr dann zu geben.
Nein, fällt es nicht. Auch beim Aufschreiben läuft der Film.

Habe ihr gesagt, dass es ok ist wenn ich es ihr erzähle und es mir erst heute Nacht Probleme machen wird.
Also losgelegt. Alles soweit erzählt, die Szenen vor Augen, die Schmerzen, die Ohnmacht, die Hilflosigkeit dabei gespürt. Alles, als ob es jetzt gerade passiert. Ich glaube, das hat man mir auch angesehen.
Heulen habe ich mir aber verkniffen. Je Schlimmer es wurde, desto mehr bin ich versteinert.
Sie schreibt, schaut mich zwischendurch an und reißt dabei die Augen immer wieder komplett weit auf, verbunden mit dem Hochziehen der Augenbrauen.

Dadurch kam ich mir vor, als ob ich ihr eine Lügengeschichte erzähle.
Das hat mich richtig heftig getriggert, habe ich aber erst im Auto voll gemerkt, als ich angefangen habe zu Zittern und dann zu Heulen.
Musste auf der Rückfahrt anhalten und erst mal wieder zu mir kommen.

Warum habe ich immer das Gefühl, dass mir keiner meine Geschichte glaubt?
Warum habe ich immer das Gefühl, dass mich keiner Ernst nimmt?
Warum habe ich immer das Gefühl, dass ich mich für Sachen rechtfertigen muss, für die ich nicht verantwortlich war und auf die ich auch keinen Einfluss hatte?

So bekloppte Fragen wie:" Warum haben die Ärzte denn damals nicht das und das Gemacht?"
Ja woher soll ich das Wissen??? Die haben mit mir Gemacht was sie wollten. Die haben mich nie Gefragt.
Die haben mir ohne Betäubung den Haltedraht vom Drahtzugverband aus dem Knochen gezogen, weil der Bruch nicht heilte. Es war denen egal, dass ich dabei wie am Spieß geschriehen habe und Todesangst hatte.
Die haben mich auch auf dem OP Tisch verrecken lassen und es nur mit Mühe und Not nach Minuten geschafft, mich Wiederzubeleben.

DIE haben mit MIR GEMACHT!! ICH hatte KEINEN EINFLUSS!! ICH war ein SCHEIß HILFLOSES KIND!! ICH bin ein SCHEIß HILFLOSES KIND und ich will NICHT MEHR HILFLOS SEIN!! ICH WILL MICH NICHT FÜR SACHEN RECHTFERTIGEN FÜR DIE ICH NICHTS KANN!!

Ich muss sie beim nächsten Termin darauf ansprechen.
Vielleicht bringe ich auch das ganze Metall mit das ich im Laufe der Jahre in den Knochen hatte.
Vielleicht glaubt sie mir dann.
Ich könnte mich auch vor ihr Ausziehen, damit sie den ganzen Narben den Körperschrott selbst sehen kann
Und heute Abend brauche ich jede Menge Alkohol.

Montag, 5. August 2013

4 Uhr morgens, oder wie das Bett mein Feind wurde

"Kann triggern"

Eine magische Uhrzeit.
Zumindest für meine Psyche.
Ich finde nichts besonderes an der Uhrzeit.
Um 4 Uhr schlafe ich normalerweise schon 4-5 Stunden.
Jetzt schaue ich um 4 das letzte mal auf die Uhr.
Dann ist die Kinovorstellung in Überlänge im Kopf endlich vorbei und ich schlafe ein.
Der Film ist jedesmal Scheiße.
Eigentlich ist es kein Film. Nicht mal ein Trailer.
Es sind Szenen, die ich im Moment nicht mal verstehe.
Komplett aus irgendeinem Zusammenhang.
Die ganze Zeit; zapp, zapp, zapp. Als ob man permanent an einem Fernseher die Kanäle durchschaltet.
Nichts an dem ich mich festhalten könnte, um einzuschlafen.
Dazu reicht das kleinste Geräusch um mich in absolute Alarmbereitschaft zu versetzen.
Das hatte ich früher schon öfters, aber nicht so lange. Nicht so viele beschissene Stunden.
So extrem wie jetzt hatte ich es eigentlich noch nie. Zumindest nicht, dass ich wüsste.
So extrem fing es an, als die BG mir mitteilte, dass die Therapeutin mich nicht therapieren wird.
Seitdem; zapp, zapp, zapp.
Das Bett ist mein Feind. Wenn ich mit den Hunden Draußen unterwegs bin, brauche ich mich nur auf eine Bank setzen, die Augen zumachen und wäre in 2 Minuten im Traumland.
Es würde mich auch kein Geräusch der Welt beim Einschlafen stören.
Die könnten vor der Bank Bäume fällen.
Ich würde einschlafen.
Sobald ich im Bett liege ist das ganz anders.
Warum es so ist, weiß ich ja. Das es so nicht mehr sein muss, weil ich nie wieder in die Situation komme, weiß ich auch.
Es funktioniert nur seit der Absage nicht mehr.
Das Bett wurde im Krankenhaus mein Feind.
Ich  lag im Bett. Angeschlossen an eine Infusion. Keine Ahnung mehr warum ich an der Infusion hing.
Irgendwann Abends schlief ich ein. Soweit ja nichts ungewöhnliches.
Wach wurde ich von Piepgeräuschen und Schmerzen.
Ich habe die Augen kaum aufbekommen.
Das war nicht mein Zimmer.
Das war noch nicht mal mein Bett.
Ich habe da so gerade eben reingepasst, stieß mit den Füßen ans Bettende.
Ich schaute hoch. Zig Geräte an denen ich angeschlossen war. Dosierautomaten befüllt mit großen Spritzen, die irgendwas in mich reinpumpten.
Auf meiner Brust klebten Elektroden.
Immer wenn ich die Stimme eines männlichen Arztes hörte, fing mein Herz wie verrückt an zu schlagen.
piep, piep, piep.
Ich hatte Panik, Todesangst.
Was haben die mit mir gemacht?
Wenn die männliche Arztstimme weg war, beruhigte sich mein Herzschlag und die Panik ließ langsam nach.
Die Stimme sprach noch ein paar mal. Jedesmal Todesangst und Panik.
Dann war ich weg.
Wurde nochmal kurz wach.
Hörte die Stimme meiner Mutter.
Sie sagte:" Das ist nicht mein Sohn!!!"
Dann war ich wieder weg.
So wurde das Bett zu meinem Feind.







Sonntag, 28. Juli 2013

Mein bester Freund

Er hat mich schon früher im Krankenhaus oft besucht. Im Gegensatz zu meinen Eltern blieb er auch gerne länger. Während meine Eltern es maximal zwei mal die Woche für 1-2 Stunden schafften mich zu besuchen, kam er auch mal jeden Tag vorbei.
Auch zwischen den Krankenhausaufenthalten war er oft bei mir.
1990 beschloss er ganz bei mir einzuziehen.
Seitdem ist er immer bei mir.
Er wacht Nachts neben meinem Bett.
Er hat mir Versprochen, dass er mich nie wieder alleine lässt.
Alle anderen haben mich irgendwann verlassen.
Er nicht.
Der treueste Freund den man sich vorstellen kann.
Sobald ich morgens Wachwerde, kümmert er sich Vorbildlich um mich.
Mein bester Freund ist SCHMERZ.

Montag, 22. Juli 2013

Verarscht

Der folgende Text kann Triggern.

Ich hatte seit vielen Jahren endlich mal wieder das Gefühl, dass ich jemanden vielleicht Vertrauen könnte.
Fürn Arsch!!!

Was ist passiert?
Ich habe endlich eingesehen, dass ich  Hilfe brauche. Das ich nicht mehr funktioniere. Nicht mehr funktionieren will. Das es so, wie es ist, nicht mehr lange weitergeht.
Das der ganze Dreck, den ich erlebt habe und der mich jeden Tag, jede Nacht verfolgt, endlich mal endgültig Ausgesprochen und verarbeitet werden muss.
Ich habe mit meiner BG gesprochen und gesagt, dass ich eine Psychotherapie brauche.
"Kein Problem, es gibt in ihrer Reichweite zwei Therapeutinnen zur Auswahl."
Ich habe mich also für eine entschieden und einen Termin mit ihr gemacht.
Nach der ersten Stunde sagte sie mir, dass sie sich vorstellen kann, mich zu behandeln.

Ich habe mich so gefreut.

Nach den ersten fünf Terminen, die teilweise echt heftig für mich waren, sagte sie zu mir, dass sie jetzt für drei Wochen Urlaub mache und ich mich melden solle, sobald ich das OK von meiner BG für die Therapie habe.
Sie schrieb mir sogar noch eine Email, dass ich mich melden soll wenn das OK da ist, damit wir Termine machen können.

Das war Ende Mai.

Heute habe ich mal telefonisch bei meiner BG nachgefragt, ob es mit meiner Therapie noch was wird, oder nicht.
Das Gespräch hat mir den Boden unter den Füßen komplett weggezogen.
Die Therapeutin hat sich kurz nach der Email an mich, bei der BG gemeldet und mitgeteilt, dass sie mit mir keine Therapie durchführen wird, da ich kein Akutfall bin und ihre Therapieplätze nur für Akutfälle seien.
Nein, ich bin kein Akutfall!! Ich schleppe den Scheiß jetzt seit fast 30 Jahren mit mir rum!!!
Das ändert aber nichts daran, dass mich bestimmte Situationen triggern und ich dann wieder live in der Vergangenheit bin. Das mich die Depressionen tierisch runterziehen und die depressiven Phasen immer länger dauern.
Das wusste die Therapeutin aber schon seit dem ersten Termin.

Was hat sie von mir erwartet: dass ich da sitze und rumheule? Das ich vor ihr zusammenklappe? Das ich Panikanfälle bekomme? WAS HAT SIE ERWARTET???
Seit meinem Unfall damals und den 6 Jahren danach, in denen ich durch die Hölle gegangen bin, hat es kein Schwein interessiert, wie es mir geht.
Ich bin bin fast draufgegangen in der Zeit. Ich habe mehr Zeit im Krankenhaus verbracht, als Zuhause.
Ich habe zigmal im OP gelegen und fast ein Bein verloren.
Immer wenn ich jemanden gebraucht hätte, war da keiner.

Ich habe gelernt, dass ich niemandem Vertrauen kann. Das der Einzige auf den ich mich Verlassen kann, ich bin. Das es keine Sau interessiert, wie es mir geht.
Was hat sie erwartet?????
Ich bin so enttäuscht, so leer so....
Ich fühle mich wieder wie ein wertloses Stück Scheiße.
Ich bin so enttäuscht.
Ich bin so.
Ich bin.
Ich.