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Mittwoch, 15. Januar 2014

Müde



Wenn die Hunde nicht wären, dann hätte ich die Woche garantiert im Bett verbracht.
Ich bin eigentlich nur Aufgestanden, damit sie ihre Runden machen können.
Und das war für mich wie 15 Stunden am Stück arbeiten ohne Pause und eine wahnsinns Überwindung.
Ich habe endlich, vor einer Woche, die Webseite fertig- und -online gestellt für die ich als Webmaster verantwortlich bin.
Ich habe mich wie immer bei solchen Dingen total rein gesteigert, damit alles perfekt und Besucherfreundlich ist und mich wie immer, total übernommen.
Dafür habe ich einen senkrechten Absturz kassiert, an dem ich bis jetzt knabbere.
Im Moment bin ich Müde, leer, Ausgebrannt und würde am liebsten einfach nur Schlafen.
Ich hasse das.

Sonntag, 11. August 2013

Noch 3 Tage

Dann habe ich meinen ersten Termin bei meiner neuen Therapeutin.
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich den Termin absagen soll.
"Lass den Quatsch bleiben. Der Frau bist du egal. Die interessiert sich eh nicht für dich, oder deine Geschichte. Der gehts nur um die Kohle. Nach den ersten 5 Terminen lässt die dich wie eine heiße Kartoffel fallen."
Mein Bauchgefühl hat sich schon oft durchgesetzt. Ich habe deswegen schon zig wichtige Termine abgesagt, oder gar nicht erst gemacht.
Ich will das jetzt.
Ich will die Therapie machen.

Wenn die Frau mich auch abserviert, weiß ich ja was passiert.
Ich werde steil in die Depression abstürzen.
Wie lange diesmal? Keine Ahnung.
Ich hasse diese beschissenen 5 Vorabtermine.
5 Stunden die sich wahrscheinlich wieder über Monate hinziehen.
Die beknackte Fragerei, die beschissenen Fragebogen.
Wenn die Frau mich auch fallen lässt, was mache ich dann?
Es gibt hier im Umkreis von 100 Kilometern genau drei von der BG zugelassene Therapeuten.
Ich könnte eine stationäre Therapie machen.
Die Klinik ist von hier eine halbe Stunde entfernt.
Da war ich schon mal vor 20 Jahren für 3 Monate, obwohl ich mindestens 6 Monate bleiben sollte.
Ich hasse Kliniken.
Wenn ich alleine leben würde, ja dann wäre das eine Überlegung wert.
So geht das aber nicht.
Was wäre die Alternative?
Arbeiten bis ich zusammenklappe und dann in die Klinik.
Kann ja diesmal nicht so lange dauern.
Mein vorletzter Arbeitgeber wusste wie es mir geht. Das hat er ausgenutzt. Zwei Jahre lang. Er hat sich 50% meines Lohnes von der BG erstatten lassen. Die BG hat auch ein Firmenauto, Notebook, Spezialwerkzeug für mich bezahlt, weil ich das ja brauchte. Benutzen durfte ich die Sachen nie. Die hat sich mein Chef unter den Nagel gerissen. Dafür hat er meine Arbeitszeit mal eben von 35 auf 40 Stunden verlängert, natürlich ohne die Extrastunden jemals zu bezahlen.
Das ging, bis ich Nachts nur noch Schlafen konnte, wenn ich total besoffen war.
Die erste Amtshandlung morgens war Kotzen, wegen dem Alkohol und weil sich alles in mir gegen die Arbeit gesträubt hat.
Hätte ich damals meine Frau nicht kennengelernt, wäre es wahrscheinlich noch ein paar Monate gutgegangen bis...... Ich habe mich zu der Zeit fast nur noch von Döner ernährt, weil ich nichts mehr auf die Reihe bekommen habe. Das war kein Leben mehr. Das war nur noch funktionieren. Arbeiten, Döner, ausgebrannt und leer auf dem Sofa sitzen, heulen, Stunden zählen bis ich wieder Arbeiten muss, saufen, schlafen. Ich habe mich nie gegen meinen Chef gewehrt, weil ich es nicht konnte. Dazu noch der Hausdrachen von Nebenan der mich permanent gemobbt hat. Die Wochenenden habe ich meistens durchgepennt.
Ich war absolut Hilflos und wollte eigentlich nur noch nicht mehr da sein.
Meine Frau hat mich damals regelrecht angeschrien, dass ich Kündigen soll, weil ich sonst Zusammenbreche. Das habe ich dann, als mein Chef ankam und mir verkündete:" Ich habe einen neuen Großkunden an der Angel. Da können sie dann an den Wochenenden und Nachts arbeiten."
Zu der Zeit ging irgendwas in mir endgültig kaputt.
So habe ich endgültig gelernt, dass ich als Behinderter nichts wert bin.
Es kam allen meinen Arbeitgebern immer nur darauf an, Zuschüsse für mich zu kassieren. Wenn die Zuschüsse ausliefen, durfte ich kurz danach gehen.
Das alles will ich nicht mehr. Ich will leben. Ich habe so unglaublich viele Jahre, fast mein halbes Leben lang, nicht gelebt.




Samstag, 27. Juli 2013

Was wurde aus euch?

Auch wenn ihr mich vergessen habt, ich habe oft an euch gedacht.
Was wurde aus euch? Wie ist euer Leben bisher verlaufen? Lebt ihr überhaupt noch?
Ich habe lange recherchiert um etwas über euch herauszufinden. Ihr habt es mir nicht immer
leicht gemacht. Über einige habe ich gar nichts rausgefunden.

Carsten:  
Immer noch in der gleichen Firma, in der er damals seine Ausbildung gemacht hat.
Mittlerweile eine hohes Tier in der Firma. Auf seinem Firmenprofilfoto sieht er
nicht besonders Gesund aus. So grau. Mehr Tod als Lebendig.

Tanja:     
Sitzt seit 20 Jahren im selben Supermarkt an der Kasse.

Carmen: 
Ausbildung zur Erzieherin. Stellvertredende Leiterin eines Kindergartens.

Thomas:  
Ausbildung zum Schweißer. Danach Weiterbildung zum Meister. Unheilbarer Hirntumor.

Steffi:     
Ausbildung zur Erzieherin. Fiel kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes ins Koma.
Starb 6 Monate später.

SimoneS.:
Ausbildung zur Floristin. Arbeitet heute in einem riesen Blumenladen.

SimoneM:
Ausbildung zur Erzieherin. Leiterin eines Kindergartens.

Volker:    
Ausbildung zum Werkzeugmacher. Abi nachgeholt. Architekturstudium. Lebt heute als Architekt
in der Schweiz.

Manuel:  
Lebt heute in Spanien.


Ich habe mal in der Schülerzeitung geblättert die wir damals erstellt haben. Auf den letzten Seiten sind Fotos
von uns allen. Unter den Fotos stehen  unsere Berufswünsche. Hat nicht bei allen geklappt.
Bei mir steht Bürokaufmann. War nie mein Berufswunsch. Wurde mir vom Arbeitsamt aufs Auge gedrückt.
Sollte nicht sein.
Ich habe die erste Ausbildung nach 6 Monaten abgebrochen.
Jeden Tag acht Stunden Akten zu sortieren und im Winter der Sonne beim Auf- und untergehen vom Büro aus zuzusehen, ohne auch nur eine Stunde was von ihr zu haben, war einfach nicht mein Ding.
Vom Bürostuhl bekam ich Schmerzen in der Schulter, die nie wieder weggingen. Seitdem fühlt sich mein linkes Schulterblatt ziemlich Taub an. Nervenschaden.
Kein schönes Erinnerungsstück.

Da das Arbeitsamt mich wegen meiner Behinderung nichts anderes Lernen lassen wollte, habe ich es nochmal probiert.
Wurde auch nichts.
Meine Psyche entschied sich dagegen. Sie hielt es für eine bessere Idee, mich anderhalb Jahre Zuhause Gefangenzuhalten.
Ich erinner mich noch genau an den Moment. Es war der April 1992.
Ich wollte zur Disko. Von Zuhause bis dahin waren es nur 200 Meter. Einfach 200 Meter Geradeaus und dann eine Hauptstraße überqueren. Alles schon Tausende male gemacht. Also los.
Ich wollte die Hauptstraße überqueren. Bis zur Mitte kam ich. Dann rauschte mir das komplette Blut in die Beine. Schwindel. Lähmungserscheinungen. Muskelkrämpfe. Alles dreht sich. Tunnelblick. Ich schleppte mich zur Disko.
Es wurde nicht besser. Die Musik war unglaublich laut. Stimmengewirr. Alles wurde immer Bedrohlicher.
Ich hatte Angst jede Sekunde Tod umzufallen.
Ich schleppte mich nach Hause. Ich konnte meine Beine kaum bewegen. Angst, angst, angst.
Zuhause legte ich mich auf mein Bett. Langsam wurde es besser. Blieb aber im Hintergrund und verschwand nicht mehr ganz.
Was zur Hölle war das?
Ich fühlte mich auf einmal leer, ausgebrannt.
Schlief sehr schnell ein.
Meine erste Panikattacke.
Herzlich willkommen!!