"Kann triggern"
Eine magische Uhrzeit.
Zumindest für meine Psyche.
Ich finde nichts besonderes an der Uhrzeit.
Um 4 Uhr schlafe ich normalerweise schon 4-5 Stunden.
Jetzt schaue ich um 4 das letzte mal auf die Uhr.
Dann ist die Kinovorstellung in Überlänge im Kopf endlich vorbei und ich schlafe ein.
Der Film ist jedesmal Scheiße.
Eigentlich ist es kein Film. Nicht mal ein Trailer.
Es sind Szenen, die ich im Moment nicht mal verstehe.
Komplett aus irgendeinem Zusammenhang.
Die ganze Zeit; zapp, zapp, zapp. Als ob man permanent an einem Fernseher die Kanäle durchschaltet.
Nichts an dem ich mich festhalten könnte, um einzuschlafen.
Dazu reicht das kleinste Geräusch um mich in absolute Alarmbereitschaft zu versetzen.
Das hatte ich früher schon öfters, aber nicht so lange. Nicht so viele beschissene Stunden.
So extrem wie jetzt hatte ich es eigentlich noch nie. Zumindest nicht, dass ich wüsste.
So extrem fing es an, als die BG mir mitteilte, dass die Therapeutin mich nicht therapieren wird.
Seitdem; zapp, zapp, zapp.
Das Bett ist mein Feind. Wenn ich mit den Hunden Draußen unterwegs bin, brauche ich mich nur auf eine Bank setzen, die Augen zumachen und wäre in 2 Minuten im Traumland.
Es würde mich auch kein Geräusch der Welt beim Einschlafen stören.
Die könnten vor der Bank Bäume fällen.
Ich würde einschlafen.
Sobald ich im Bett liege ist das ganz anders.
Warum es so ist, weiß ich ja. Das es so nicht mehr sein muss, weil ich nie wieder in die Situation komme, weiß ich auch.
Es funktioniert nur seit der Absage nicht mehr.
Das Bett wurde im Krankenhaus mein Feind.
Ich lag im Bett. Angeschlossen an eine Infusion. Keine Ahnung mehr warum ich an der Infusion hing.
Irgendwann Abends schlief ich ein. Soweit ja nichts ungewöhnliches.
Wach wurde ich von Piepgeräuschen und Schmerzen.
Ich habe die Augen kaum aufbekommen.
Das war nicht mein Zimmer.
Das war noch nicht mal mein Bett.
Ich habe da so gerade eben reingepasst, stieß mit den Füßen ans Bettende.
Ich schaute hoch. Zig Geräte an denen ich angeschlossen war. Dosierautomaten befüllt mit großen Spritzen, die irgendwas in mich reinpumpten.
Auf meiner Brust klebten Elektroden.
Immer wenn ich die Stimme eines männlichen Arztes hörte, fing mein Herz wie verrückt an zu schlagen.
piep, piep, piep.
Ich hatte Panik, Todesangst.
Was haben die mit mir gemacht?
Wenn die männliche Arztstimme weg war, beruhigte sich mein Herzschlag und die Panik ließ langsam nach.
Die Stimme sprach noch ein paar mal. Jedesmal Todesangst und Panik.
Dann war ich weg.
Wurde nochmal kurz wach.
Hörte die Stimme meiner Mutter.
Sie sagte:" Das ist nicht mein Sohn!!!"
Dann war ich wieder weg.
So wurde das Bett zu meinem Feind.
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Montag, 5. August 2013
Samstag, 27. Juli 2013
Was wurde aus euch?
Auch wenn ihr mich vergessen habt, ich habe oft an euch gedacht.
Was wurde aus euch? Wie ist euer Leben bisher verlaufen? Lebt ihr überhaupt noch?
Ich habe lange recherchiert um etwas über euch herauszufinden. Ihr habt es mir nicht immer
leicht gemacht. Über einige habe ich gar nichts rausgefunden.
Carsten:
Immer noch in der gleichen Firma, in der er damals seine Ausbildung gemacht hat.
Mittlerweile eine hohes Tier in der Firma. Auf seinem Firmenprofilfoto sieht er
nicht besonders Gesund aus. So grau. Mehr Tod als Lebendig.
Tanja:
Sitzt seit 20 Jahren im selben Supermarkt an der Kasse.
Carmen:
Ausbildung zur Erzieherin. Stellvertredende Leiterin eines Kindergartens.
Thomas:
Ausbildung zum Schweißer. Danach Weiterbildung zum Meister. Unheilbarer Hirntumor.
Steffi:
Ausbildung zur Erzieherin. Fiel kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes ins Koma.
Starb 6 Monate später.
SimoneS.:
Ausbildung zur Floristin. Arbeitet heute in einem riesen Blumenladen.
SimoneM:
Ausbildung zur Erzieherin. Leiterin eines Kindergartens.
Volker:
Ausbildung zum Werkzeugmacher. Abi nachgeholt. Architekturstudium. Lebt heute als Architekt
in der Schweiz.
Manuel:
Lebt heute in Spanien.
Ich habe mal in der Schülerzeitung geblättert die wir damals erstellt haben. Auf den letzten Seiten sind Fotos
von uns allen. Unter den Fotos stehen unsere Berufswünsche. Hat nicht bei allen geklappt.
Bei mir steht Bürokaufmann. War nie mein Berufswunsch. Wurde mir vom Arbeitsamt aufs Auge gedrückt.
Sollte nicht sein.
Ich habe die erste Ausbildung nach 6 Monaten abgebrochen.
Jeden Tag acht Stunden Akten zu sortieren und im Winter der Sonne beim Auf- und untergehen vom Büro aus zuzusehen, ohne auch nur eine Stunde was von ihr zu haben, war einfach nicht mein Ding.
Vom Bürostuhl bekam ich Schmerzen in der Schulter, die nie wieder weggingen. Seitdem fühlt sich mein linkes Schulterblatt ziemlich Taub an. Nervenschaden.
Kein schönes Erinnerungsstück.
Da das Arbeitsamt mich wegen meiner Behinderung nichts anderes Lernen lassen wollte, habe ich es nochmal probiert.
Wurde auch nichts.
Meine Psyche entschied sich dagegen. Sie hielt es für eine bessere Idee, mich anderhalb Jahre Zuhause Gefangenzuhalten.
Ich erinner mich noch genau an den Moment. Es war der April 1992.
Ich wollte zur Disko. Von Zuhause bis dahin waren es nur 200 Meter. Einfach 200 Meter Geradeaus und dann eine Hauptstraße überqueren. Alles schon Tausende male gemacht. Also los.
Ich wollte die Hauptstraße überqueren. Bis zur Mitte kam ich. Dann rauschte mir das komplette Blut in die Beine. Schwindel. Lähmungserscheinungen. Muskelkrämpfe. Alles dreht sich. Tunnelblick. Ich schleppte mich zur Disko.
Es wurde nicht besser. Die Musik war unglaublich laut. Stimmengewirr. Alles wurde immer Bedrohlicher.
Ich hatte Angst jede Sekunde Tod umzufallen.
Ich schleppte mich nach Hause. Ich konnte meine Beine kaum bewegen. Angst, angst, angst.
Zuhause legte ich mich auf mein Bett. Langsam wurde es besser. Blieb aber im Hintergrund und verschwand nicht mehr ganz.
Was zur Hölle war das?
Ich fühlte mich auf einmal leer, ausgebrannt.
Schlief sehr schnell ein.
Meine erste Panikattacke.
Herzlich willkommen!!
Was wurde aus euch? Wie ist euer Leben bisher verlaufen? Lebt ihr überhaupt noch?
Ich habe lange recherchiert um etwas über euch herauszufinden. Ihr habt es mir nicht immer
leicht gemacht. Über einige habe ich gar nichts rausgefunden.
Carsten:
Immer noch in der gleichen Firma, in der er damals seine Ausbildung gemacht hat.
Mittlerweile eine hohes Tier in der Firma. Auf seinem Firmenprofilfoto sieht er
nicht besonders Gesund aus. So grau. Mehr Tod als Lebendig.
Tanja:
Sitzt seit 20 Jahren im selben Supermarkt an der Kasse.
Carmen:
Ausbildung zur Erzieherin. Stellvertredende Leiterin eines Kindergartens.
Thomas:
Ausbildung zum Schweißer. Danach Weiterbildung zum Meister. Unheilbarer Hirntumor.
Steffi:
Ausbildung zur Erzieherin. Fiel kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes ins Koma.
Starb 6 Monate später.
SimoneS.:
Ausbildung zur Floristin. Arbeitet heute in einem riesen Blumenladen.
SimoneM:
Ausbildung zur Erzieherin. Leiterin eines Kindergartens.
Volker:
Ausbildung zum Werkzeugmacher. Abi nachgeholt. Architekturstudium. Lebt heute als Architekt
in der Schweiz.
Manuel:
Lebt heute in Spanien.
Ich habe mal in der Schülerzeitung geblättert die wir damals erstellt haben. Auf den letzten Seiten sind Fotos
von uns allen. Unter den Fotos stehen unsere Berufswünsche. Hat nicht bei allen geklappt.
Bei mir steht Bürokaufmann. War nie mein Berufswunsch. Wurde mir vom Arbeitsamt aufs Auge gedrückt.
Sollte nicht sein.
Ich habe die erste Ausbildung nach 6 Monaten abgebrochen.
Jeden Tag acht Stunden Akten zu sortieren und im Winter der Sonne beim Auf- und untergehen vom Büro aus zuzusehen, ohne auch nur eine Stunde was von ihr zu haben, war einfach nicht mein Ding.
Vom Bürostuhl bekam ich Schmerzen in der Schulter, die nie wieder weggingen. Seitdem fühlt sich mein linkes Schulterblatt ziemlich Taub an. Nervenschaden.
Kein schönes Erinnerungsstück.
Da das Arbeitsamt mich wegen meiner Behinderung nichts anderes Lernen lassen wollte, habe ich es nochmal probiert.
Wurde auch nichts.
Meine Psyche entschied sich dagegen. Sie hielt es für eine bessere Idee, mich anderhalb Jahre Zuhause Gefangenzuhalten.
Ich erinner mich noch genau an den Moment. Es war der April 1992.
Ich wollte zur Disko. Von Zuhause bis dahin waren es nur 200 Meter. Einfach 200 Meter Geradeaus und dann eine Hauptstraße überqueren. Alles schon Tausende male gemacht. Also los.
Ich wollte die Hauptstraße überqueren. Bis zur Mitte kam ich. Dann rauschte mir das komplette Blut in die Beine. Schwindel. Lähmungserscheinungen. Muskelkrämpfe. Alles dreht sich. Tunnelblick. Ich schleppte mich zur Disko.
Es wurde nicht besser. Die Musik war unglaublich laut. Stimmengewirr. Alles wurde immer Bedrohlicher.
Ich hatte Angst jede Sekunde Tod umzufallen.
Ich schleppte mich nach Hause. Ich konnte meine Beine kaum bewegen. Angst, angst, angst.
Zuhause legte ich mich auf mein Bett. Langsam wurde es besser. Blieb aber im Hintergrund und verschwand nicht mehr ganz.
Was zur Hölle war das?
Ich fühlte mich auf einmal leer, ausgebrannt.
Schlief sehr schnell ein.
Meine erste Panikattacke.
Herzlich willkommen!!
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Mittwoch, 24. Juli 2013
Neue Therapeutin
Heute habe ich mich bei einer anderen Therapeutin gemeldet und um einen Termin gebeten.
In drei Wochen habe ich meinen ersten Termin bei ihr. Am Telefon hat sie sich angehört, als ob Deutsch nicht ihre erste Sprache ist. Ich hoffe es gibt keine Verständnisprobleme. Nicht das die irgendwas aufschreibt, was ich so gar nicht gesagt habe.
Ich hoffe, die verarscht mich nicht und ich kann zu ihr Vertrauen aufbauen nach dem Desaster mit meiner ersten Therapeutin.
Wenn das mit der auch in die Hose geht, sage ich mir jeden Tag:"Alles nicht so schlimm. Du bist kerngesund. Du musst nur daran Glauben. Alles nur in deinem Kopf. Genau wie die Narben an deinem Körper und die ständigen Schmerzen und Einschränkungen. Alles nur eingebildet. YEAHH!!
(Oder wie mein Sachbearbeiter im Jobcenter es wahrscheinlich sagen würde:" Suchen sie sich eine Arbeit, sie simulierendes, faules Sozialschmarotzerschwein. Ich krieg sie schon noch dran. Leute wie sie hätte man früher ........"
Meine BG Sachbearbeiterin habe ich telefonisch darum gebeten, die Therapeutin zu beauftragen.
"Zur Frau ... wollen sie nicht mehr hin?"
NEIN!! Die gute Frau hat etwas gemacht, was ich niemandem je verzeihen würde. Sie hat mein Vertrauen gebrochen. Sie war schon vor dem ersten Termin kurz per Mail und während des ersten Termins ausführlich von mir über alles Aufgeklärt worden.
Fünf Termine lang hat sie mir vorgegaukelt, dass sie meinen Fall übernimmt.
Selbst zum Abschluss des letzten Termins hat sie mir versichert, dass die Therapie weitergeht.
"Melden Sie sich sobald Ihre BG das OK gibt, damit wir Termine machen können."
Danke! Ich hoffe die Vergütung der 5 Termine bleibt ihnen im Hals stecken.
Sie hätte schon vor dem ersten Termin absagen können, wenn ich ihrer Meinung nach kein Akutfall bin.
Aber nein, die Kohle nimmt man doch gerne mit.
Scheiß auf den Patienten, Hauptsache die Kohle fließt.
Danke für den wunderbaren Trigger, vorherige Therapeutin. Ich wünsche ihnen mal für einen Tag, was ich jeden Tag habe.
Letzte Nacht habe ich endlich mal wieder geschlafen.
In drei Wochen habe ich meinen ersten Termin bei ihr. Am Telefon hat sie sich angehört, als ob Deutsch nicht ihre erste Sprache ist. Ich hoffe es gibt keine Verständnisprobleme. Nicht das die irgendwas aufschreibt, was ich so gar nicht gesagt habe.
Ich hoffe, die verarscht mich nicht und ich kann zu ihr Vertrauen aufbauen nach dem Desaster mit meiner ersten Therapeutin.
Wenn das mit der auch in die Hose geht, sage ich mir jeden Tag:"Alles nicht so schlimm. Du bist kerngesund. Du musst nur daran Glauben. Alles nur in deinem Kopf. Genau wie die Narben an deinem Körper und die ständigen Schmerzen und Einschränkungen. Alles nur eingebildet. YEAHH!!
(Oder wie mein Sachbearbeiter im Jobcenter es wahrscheinlich sagen würde:" Suchen sie sich eine Arbeit, sie simulierendes, faules Sozialschmarotzerschwein. Ich krieg sie schon noch dran. Leute wie sie hätte man früher ........"
Aber, ich habe es trotz allem geschafft 18 Jahre zu arbeiten.
"Das zählt nicht. Was zählt ist jetzt. Und jetzt fallen sie dem Staat zur Last. Ich bekomme sie schon in Arbeit und wenn es ihnen zuviel wird, springen sie von einer hohen Brücke, oder bringen sie sich auf irgendeine andere Art über den Jordan. Hauptsache sie Schmarotzern nicht mehr rum.")Meine BG Sachbearbeiterin habe ich telefonisch darum gebeten, die Therapeutin zu beauftragen.
"Zur Frau ... wollen sie nicht mehr hin?"
NEIN!! Die gute Frau hat etwas gemacht, was ich niemandem je verzeihen würde. Sie hat mein Vertrauen gebrochen. Sie war schon vor dem ersten Termin kurz per Mail und während des ersten Termins ausführlich von mir über alles Aufgeklärt worden.
Fünf Termine lang hat sie mir vorgegaukelt, dass sie meinen Fall übernimmt.
Selbst zum Abschluss des letzten Termins hat sie mir versichert, dass die Therapie weitergeht.
"Melden Sie sich sobald Ihre BG das OK gibt, damit wir Termine machen können."
Danke! Ich hoffe die Vergütung der 5 Termine bleibt ihnen im Hals stecken.
Sie hätte schon vor dem ersten Termin absagen können, wenn ich ihrer Meinung nach kein Akutfall bin.
Aber nein, die Kohle nimmt man doch gerne mit.
Scheiß auf den Patienten, Hauptsache die Kohle fließt.
Danke für den wunderbaren Trigger, vorherige Therapeutin. Ich wünsche ihnen mal für einen Tag, was ich jeden Tag habe.
Letzte Nacht habe ich endlich mal wieder geschlafen.
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